29 Okt

Zwei Frauen und ein Goodnity

Liebe Goodnity-Fans,

schon wieder ist eine Woche rum und schon ist es soweit für unseren vierten Teil unserer Blog-Story. Viel Spaß beim Lesen und eine schöne Restwoche noch! 🙂

Notorisches zu spät kommen und eine leichte Aversion gegen Fahrstühle sind eine explosive Mischung, zumindest wenn man im 8. Stock arbeitet. Meine Hauptfrage dabei ist, wie mein Körper es schafft, trotzdem kein einziges Gramm Muskelmasse aufzubauen. Ich sollte mich der Wissenschaft zur Verfügung stellen und das mal testen lassen! Oben angekommen läuft mir als erstes mein Chef vor die Füße und stellt mir zu irgendetwas eine Frage, was ich ihm wohl gestern hätte schicken sollen. Ich will mir nicht anmerken lassen wie erschöpft ich bin und versuche ruhig durch die Nase zu atmen. Dabei wird mir schwindelig… zu wenig Sauerstoff… ich kriege Schweißausbrüche unter meinem dicken Herbstmantel. Irgendwann, als mir fast schwarz vor Augen wird, atme ich fast röhrend aus und mein Körper sackt förmlich in sich zusammen. Mein Chef fragt verdutzt, ob alles ok ist und ich antworte, dass ich einfach noch keinen Kaffee hatte. Er zieht eine Augenbraue hoch, verzieht das Gesicht zu einer undefinierbaren Mischung aus Grinsen und Mitleid und läuft weiter den Flur entlang. Super, guten Morgen!

Als ich an unserer Büroküche vorbei laufe, höre ich aufgeregtes Gerede. Ich muss aber erstmal durchatmen und mich auf meinem Stuhl niederlassen. Nach fünf Minuten stumpfen Dasitzens auf meinem Bürostuhl, hat sich mein Puls soweit normalisiert, dass ich den Weg in die Küche wage. Paula und zwei andere Kollegen von mir scharren sich um Paulas Handy. „Na, was gibt es da spannendes?“, frage ich? Mein Kollege Niklas antwortet: „Paula hat uns hier ihre neueste Entdeckung gezeigt, eine echt coole Charity App namens… äh, wie lautet der Name nochmal, Paula?“ „Goodnity!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen von ihr. „Zusammen gesetzt aus den englischen Worten good und dignity, also quasi gut und würdevoll.“ Niklas nickt leicht anerkennend und antwortet: „Paula macht ja eh viel Charity. Aber das hier ist wirklich ziemlich unumständlich. Ich hab mir ja auch schon oft vorgenommen sowas zu machen, aber irgendwie bin ich immer an der Umsetzung gescheitert. Aber die App hier lädst du dir einfach kostenlos runter und ab der ersten Frage spendest du 2 Cent an dein Patenkind, ohne Umschweife. Richtig, Paula?“ Sie nickt. „Ich weiß“ antworte ich. „Ich hab die App auch schon seit einer Weile.“ „Ach echt?“, fragt mein zweiter Kollege Chris. „Ist das ein neuer Trend, der bisher an mir vorbei gegangen ist?“ Ich drehe mich zähneknirschend um und bitte Niklas, mich gleich in meinem Büro aufzusuchen…

Einige Minuten später kommt er in mein Büro: „Hey Anna, hast du schon gesehen, dass man zu seinem Patenkind immer eine Hintergrundinfo bekommt? Mein Kleiner heißt Osman und kommt aus Mexiko. Er und seine drei Schwestern wurden 2014 von der Hilfsorganisation in eines der nphfeature-1ger-Kinderdörfer gebracht. Osmans Vater hat ihn und die Familie verlassen und seine Mutter hatte auch nicht die finanziellen Mittel sich weiterhin allein um die Kinder zu kümmern. Irgendwie fühlt man sich da gleich mehr involviert und näher am Thema dran, wenn man das weiß, oder?“ Ich nicke freundlich aber dann überkommt es mich: „Niklas, das war meine Idee mit der App, ich hab ihr das vorgestern erst alles gezeigt und jetzt heimst sie das ganze Lob ein!“, jammere ich, zugegebenermaßen, leicht mitleidig. „Ach, Anna. Charity ist doch nix wofür man Lob einheimsen will, das macht man weil man das Bedürfnis dazu hat“, antwortet er gutmütig. Hmm, er hat ja Recht, aber manchmal ist er einfach zu leichtgläubig und durchschaut Sachen nicht. Ich weiß einfach, dass Paula sich gerne mit so etwas darstellt. Wieso weiß sonst die ganze Agentur, dass sie viel mit Charity zu tun hat? Ich meine, ich hab die App schon viel länger und bin doch auch nicht damit durch jedes Büro stolziert. Nein, aber ich kann darauf jetzt auch echt nicht neidisch sein. Das wäre tatsächlich ziemlich kleinlich. Richtig?!

Ein paar Minuten später kommt mein Chef reingewirbelt. „Haben Sie schon von der neuen Charity App gehört, die Frau Keller hat?“ Oh mein Gott… Paula, der Chef, ernsthaft?! „Ich hab mir das mal von ihr erklären lassen und finde das eigentlich eine gute Sache. Versuchen Sie da mal ein Interview mit den Gründern zu bekommen und machen Sie eine kleine Reportage. Ich hätte ja sonst lieber Frau Keller geschickt, da sie schon im Thema zu sein scheint aber sie hat gerade leider keine Kapazitäten mehr. Ich würde die Reportage gern kurzfristig machen, bevor wieder jeder über diese neue App berichtet. Man weiß ja heutzutage nie, wie schnell sich das rumspricht. Sie haben ja gerade, soweit ich weiß, nix großes auf dem Tisch liegen.“ Zack, und draußen ist er. Hmm ok, das ist ja eigentlich eine positive Entwicklung. Ich kann eine Reportage über Goodnity machen und anscheinend hat er darüber hinaus auch den Artikel zum Thema Onlinekredite vergessen, den ich machen sollte. Ich habe es wirklich versucht aber bin jedes Mal bereits bei den ersten Recherchen ins Koma gefallen.

Das Karma ist eben doch auf meiner Seite! Dann leg ich mal los…